Verborgene Werte bergen

Warum nennen Sie die Arbeit vieler Ihrer Kollegen "herkömmlich" und grenzen sich davon ab?

Die Strategien der meisten Investmentfonds werden in Anlageausschüssen nach dem so genannten Top-Down-Ansatz festgelegt. Das heißt: Am Anfang steht eine Prognose über die Entwicklung von Volkswirtschaften in die man investieren will. Als Ziel wird genannt, Sektoren herauszufinden, die für die nächsten 6 bis 24 Monate eine dynamische Entwicklung erwarten lassen.

Das klingt doch eigentlich gut, oder nicht?

Schon. Dieser Ansatz klingt nicht schlecht. Er ist aber von vorn herein zum Misserfolg verdammt, da die zugrunde liegenden Prognosen meist falsch sind, wie die Untersuchung von mehr als 5.400 Prognosen aus 35 Jahren beweist. Als seriöser Berater greift man eben nicht auf Zahlen und Daten zurück, die noch gar nicht vorliegen - sondern auf Fakten und prüfbare Informationen.

Und warum funktionieren diese Strategien nicht?

Wenn schon die Eingangsbedingungen der herkömmlichen Anlagestrategie falsch sind, wie soll sie am Ende erfolgreich sein? Nur mit Glück. Oder in bestimmten Zeitphasen, in denen spezielle Branchen oder Regionen besonders boomen. Die Chance, auf diesem konventionellen Weg wirklich besser zu sein als der Durchschnitt des Marktes, ist äußerst gering. Vor allem, wenn man gängigen Analystenmeinungen folgt.

Wieso das?

Wenn die meisten Analysten oder Marktteilnehmer eine gute Meinung von einer Aktie haben, dann besitzen sie sie oft auch. Doch wenn sie - und anschließend die, die daran glauben - diese Aktie besitzen, wer soll sie dann noch kaufen? Da ist doch kein wirkliches Kurspotenzial mehr vorhanden. Denn diese Aktien sind alles andere als verborgene Werte.

Apropos - weshalb nennt man Sie eigentlich den "Perlenfischer" unter den Vermögensverwaltern?

Lassen Sie mich das einmal so erklären: Konventionelles Wertpapiermanagement ist wie das Sammeln von schönen Kunstperlen: Sie sehen scheinbar aus wie echte - aber etwas Besonderes sind sie nicht. Ergo währt die Freude nicht lang, und eigentlich sind sie wertlos.

"Wir treffen unsere Entscheidung immer für das Unternehmen und nicht für die Aktie." 
- Frank Lingohr -

Und Ihre Methode?

Man kann nur überdurchschnittliche Anlageresultate erzielen, wenn man unkonventionell zum richtigen Zeitpunkt entgegen der allgemeinen Meinung investiert. Das heißt: Wir treffen unsere Entscheidung immer für das Unternehmen und nicht für die Aktie. Deshalb verstehen auch Unternehmer die "CHICCO" Systematik am besten.

Sie arbeiten also nach der Methode des sogenannten Value Investing?

Natürlich hat mich auch Warren Buffett maßgeblich beeinflusst. Auch ich habe mit Strategien begonnen, die Warren Buffett selbst später etwas abfällig als "Zigarrenstummelansatz" bezeichnete. Wert im altbekannten Sinn ist eine statische Größe. Wert ist nur dann wertvoll, wenn er mit langfristigem Wachstum einhergeht. Deshalb sind Wachstumsausrichtung und Managementqualitäten besonders wichtig.

Was versteht man unter Zigarrenstummelansatz?

Wenn man einen Zigarrenstummel auf der Straße findet und ihn anzündet, hat man noch einen letzten Zug; dieser schmeckt zwar schrecklich, aber da umsonst, ist er immer noch preiswert. Ähnliches galt lange Zeit auch für Aktien: Egal wie schlecht die Branche oder das Management - wenn man die Aktie unter Liquidationswert kaufen konnte, lohnte sich das Geschäft. Aber Buffett änderte seinen Ansatz auch.

In welcher Form?

Warren Buffett selbst hat später den Ausspruch geprägt: Wert und Wachstum sind an der Hüfte zusammengewachsen. Also verbinden wir beides miteinander, nutzen modernste Technologien für die Auswertung von Unternehmensdaten und entwickeln diese laufend weiter. Dabei hilft uns "CHICCO". 

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